Der Missbrauch der Schrift zur Rechtfertigung von Antisemitismus

In Lukas 11:50-51 erklärt Jesus, dass das Blut der Propheten, von Abel bis Sacharja, der Generation der Juden angelastet werden würde, die Ihn letztlich als Messias ablehnte. Seine Worte fanden ihre Erfüllung im Jahr 70 n. Chr., als Jerusalem zerstört und der Tempel verwüstet wurde. Dies war ein bundmäßiges Gericht über eine bestimmte Generation, die Jahrhunderte prophetischer Ablehnung mit der Kreuzigung des Sohnes Gottes vollendete.
Leider wurden diese Verse im Laufe der Geschichte verdreht, um Hass, Gewalt und systematische Verfolgung des jüdischen Volkes zu rechtfertigen. Ein solcher Missbrauch verzerrt nicht nur den Zusammenhang von Jesu Warnung, sondern widerspricht auch dem Kern des Evangeliums. Jesu Anklage war niemals eine rassistische Verurteilung der Juden für alle Zeiten. Viele Juden glaubten – seine Apostel, die frühe Gemeinde in Jerusalem und unzählige andere im Laufe der Geschichte. Das Evangelium selbst wurde "zuerst dem Juden" verkündigt (Römer 1:16), was Gottes fortwährende Liebe und Bundeszwecke für Israel bekräftigt.
Jesu Worte als Treibstoff für Vorurteile zu verwenden, bedeutet, denselben Fehler zu wiederholen, den Er verurteilte: die Propheten im Wort zu ehren, während man ihrer Botschaft in der Praxis widersteht. Die Kirche muss alle Formen des Antisemitismus eindeutig ablehnen. Hass gegen Juden ist keine christliche Treue, sondern christlicher Verrat.
Doch die Verurteilung des Antisemitismus erfordert nicht, die Schwere der anhaltenden Ablehnung Christi durch Israel zu verharmlosen. Paulus spricht mit Trauer über seine Volksgenossen, die verhärtet bleiben (Römer 9-11). Die Tragödie ist real: Die Mehrheit der Juden, damals wie heute, hat ihren Messias nicht erkannt. Dies muss die Gläubigen betrüben, sie aber nicht zu Hochmut oder Feindseligkeit treiben.
Die wahre christliche Antwort ist zweifach: Erstens, Gottes vergangenes Gericht über den Unglauben als ernste Warnung für alle Menschen anzuerkennen; und zweitens, für die Rettung jüdischer Seelen heute zu beten und zu arbeiten. Denn das Evangelium bleibt die Kraft Gottes zur Rettung – sowohl für Juden als auch für Heiden.
Antisemitismus ist eine Sünde. Die Ablehnung Christi ist eine Tragödie. Das Heilmittel für beides ist dasselbe: Buße und Glaube an Jesus Christus, den Retter aller.
- Warum richtete sich Jesu Anklage in Lukas 11:50-51 an eine bestimmte Generation und nicht an alle Juden für alle Zeiten?
- Wie können Christen zwischen der Verurteilung von Antisemitismus und der Anerkennung der Tragödie des jüdischen Unglaubens unterscheiden?
- Wie sollte die Kirche heute sowohl auf Antisemitismus als auch auf die anhaltende Ablehnung Christi durch viele Juden reagieren?
- ChatGPT (OpenAI)
- N.T. Wright – Lukas für alle
- Darrell Bock – Lukas: Der NIV Anwendungskommentar
- F.F. Bruce – Neutestamentliche Geschichte

