Stufen des Gerichts

Das Neue Testament zeichnet das Gericht in zwei großen Zügen: Es gibt nur zwei endgültige Schicksale – ewiges Leben mit Gott oder ewige Trennung von Ihm. Jesus beschreibt diese klare Trennung im Gericht über die Schafe und die Böcke (Matthäus 25:31-46). Doch innerhalb dieses binären Ergebnisses spricht die Schrift auch von Abstufungen im Gericht und in der Belohnung.
In Lukas 12:47-48 erzählt Jesus von Dienern, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten. Einige werden streng bestraft, weil sie ihre Pflicht kannten, sie aber nicht erfüllten, während andere, die unwissend handelten, weniger bestraft werden. Sein Fazit: "Von jedem, dem viel gegeben ist, wird viel verlangt werden." Hier lehrt Jesus, dass Verantwortung im Verhältnis zu Gelegenheit, Wissen und Privileg steht.
Dieses Thema taucht erneut in Seinen Warnungen an Städte wie Kapernaum auf, die ein härteres Urteil als Sodom erleiden würden, weil sie größeres Licht ablehnten (Matthäus 11:20-24). Ebenso verurteilte Er die religiösen Führer zu "größerer Verdammnis", weil sie Witwen ausbeuteten (Lukas 20:47). Diese Aussagen bestätigen, dass das Gericht keine einheitliche Erfahrung ist, sondern je nach dem Maß der vernachlässigten Verantwortung variiert.
Paulus bestätigt dieses Prinzip in seinen Briefen. In Römer 2 bekräftigt er, dass Juden mit dem Gesetz strenger gerichtet werden als Heiden, die nur ein Gewissen hatten. In 1 Korinther 3:10-15 erweitert er die Idee auf Christen: das Werk eines jeden wird durch Feuer geprüft werden. Einige werden sehen, dass ihre Mühe Bestand hat und sie eine Belohnung erhalten; andere werden sehen, dass ihr Werk verzehrt wird, doch "er selbst wird gerettet werden, aber so wie durch Feuer." Mit anderen Worten, das Heil ist durch Gnade gesichert, aber die Belohnung hängt vom treuen Dienst ab.
Das Neue Testament hält daher zwei Wahrheiten in Spannung: das ewige Schicksal ist binär, aber die Erfahrung innerhalb jedes Schicksals variiert. Für die Gläubigen gibt es größere Freude und Ehre; für die Widerspenstigen größeren Verlust und Bedauern. Diese Lehre hebt sowohl die Gerechtigkeit als auch die Barmherzigkeit Gottes hervor.
Am Ende wird Gottes Gerechtigkeit so vollkommen sein wie seine Barmherzigkeit.
- Warum betont Jesus, dass die Verantwortung mit Wissen und Gelegenheit zunimmt?
- Wie erweitern Paulus' Lehren in 1. Korinther 3 unser Verständnis von Belohnung und Verlust für Gläubige?
- Wie kann die Wahrheit "viel gegeben, viel verlangt" die moderne Kirche in ihrer Verwaltung herausfordern?
- ChatGPT (OpenAI)
- Matthäus Henry, Kommentar zur ganzen Bibel
- Leon Morris, Das Evangelium nach Lukas
- N.T. Wright, Paulus für alle: 1. Korinther

