Ganz Israel wird gerettet werden

Lukas 13:35 und Römer 11:25-27 sind seit langem Gegenstand von Debatten unter Christen, insbesondere in Bezug darauf, ob sie eine zukünftige nationale Bekehrung des jüdischen Volkes vorhersagen. Verschiedene Traditionen interpretieren diese Texte unterschiedlich, abhängig von ihrem umfassenderen Verständnis des Reiches, Israels und der Endzeit. Nachfolgend ist ein Vergleich von vier Hauptperspektiven: Restaurationsbewegung, Dispensationaler Prämillennialismus, Postmillennialismus und Amillennialismus.
| Passage | Restaurationsbewegung | Dispensationalistisch-prämillennial | Postmillennial | Amillennial (nicht-Restaurationsbewegung) |
|---|---|---|---|---|
| Lukas 13:35 – | - "Haus" = Tempel/Jerusalem, verwüstet im Jahr 70 n. Chr. - "Bis..." erfüllt beim Einzug in Jerusalem (Lukas 19:37–38). - Keine zukünftige nationale Anerkennung Christi angedeutet. | - "Haus" = Tempel/Jerusalem, aber Verwüstung ist vorübergehend. - "Bis..." weist auf Israels nationale Anerkennung Christi bei Seiner Wiederkunft hin. | - "Haus" = Jerusalem unter Gericht. - "Bis..." weist auf eine zukünftige Erweckung und Bekehrung der Juden als Teil des weltweiten Evangeliumserfolgs hin, der in ein goldenes Zeitalter führt. | - "Haus" = Tempel/Jerusalem, gerichtet im Jahr 70 n. Chr. - "Bis..." entweder erfüllt beim Einzug in Jerusalem oder symbolisch im Bekenntnis der Gemeinde zu Christus. - Keine spezifische nationale jüdische Bekehrung erwartet. |
| Römer 11:25-27 – | - "Ganz Israel" = geistliches Israel (die Gemeinde aus Juden und Heiden). - Bezieht sich auf die Vollendung der Erlösten. | - "Ganz Israel" = ethnisches/nationales Israel. - Zukünftige Massenbekehrung der Juden nach der "Fülle der Heiden". | - "Ganz Israel" = vorwiegend ethnische Juden. - Sagt eine zukünftige großflächige Bekehrung der Juden voraus, die weltweite Evangeliumsausbreitung auslöst und ein milleniales Zeitalter christlicher Vorherrschaft einleitet. | - "Ganz Israel" = das ganze Gottesvolk (geistliches Israel). - Bezieht sich auf den Abschluss der Heilsgeschichte, nicht auf eine nationale Bekehrung. - Zukünftige jüdische Bekehrung kann stattfinden, ist aber nicht dogmatisch erforderlich. |
| Eschatologischer Rahmen | - Amillennial in der Praxis. - Das Reich ist in der Gemeinde gegenwärtig. - Verheißungen an Israel in Christus und Seinem Volk erfüllt. - Jahr 70 n. Chr. = wichtiger prophetischer Meilenstein. | - Prämillennial & dispensationalistisch. - Israel und Gemeinde sind unterschieden. - Endzeit umfasst eine jüdische Trübsal, Bekehrung und ein buchstäbliches Millennium mit Christus als Herrscher von Jerusalem. | - Postmillennial. - Das Evangelium wird in der Geschichte triumphieren. - Jüdische Bekehrung ist ein Meilenstein, der zu einem weltweiten goldenen Zeitalter vor Christi Wiederkunft führt. | - Amillennial. - Das Reich ist gegenwärtig und entfaltet sich geistlich. - Verheißungen an Israel in Christus/Gemeinde erfüllt. - "Ganz Israel" = Fülle der Gläubigen, kein nationales Ereignis. |
Zusammenfassung
- Restaurationslehre: Historische Erfüllung (Triumphaler Einzug + 70 n. Chr.); "Israel" = Kirche.
- Dispensationaler Prämillennialismus: Zukünftige nationale Bekehrung der Juden bei der Wiederkunft Christi; Israel steht im Mittelpunkt der Prophetie.
- Postmillennialismus: Zukünftige jüdische Bekehrung löst weltweite Erweckung aus und leitet das goldene Zeitalter ein. -
- Amillennialismus: "Ganz Israel" = geistliches Israel; keine nationale Wiederherstellung erforderlich, obwohl einige erwarten, dass viele Juden vor dem Ende zu Christus kommen werden.
Warum die restaurative Sichtweise textliche und kontextuelle Vorteile hat
Die restaurative Position nimmt Lukas 13:35 und Römer 11 im unmittelbaren Zusammenhang und projiziert sie nicht in spekulative zukünftige Zeitlinien.
In Lukas 13 verbindet sich die Erwähnung von "euer Haus wird verlassen" natürlich mit der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr., ein Gericht, das historisch innerhalb jener Generation erfüllt wurde (vgl. Lukas 21:20-24).
Ebenso passt der Ausdruck "Gesegnet sei, der da kommt" nahtlos zum Einzug in Jerusalem in Lukas 19:37-38, wo Psalm 118 ausdrücklich auf Jesus angewandt wird. Dies macht es überflüssig, die Erfüllung um Tausende von Jahren in die Zukunft zu verschieben.
Ebenso ist Römer 11:25-27 am besten im Zusammenhang mit Paulus' früherem Argument zu lesen: Das wahre Israel besteht aus denen, die "Kinder der Verheißung" sind (Römer 9:6-8). So ist "ganz Israel" keine nationale Einheit, die auf Bekehrung wartet, sondern die volle Zahl von Gottes Volk – Juden und Heiden gleichermaßen – die durch Christus erlöst sind.
Indem man diese Texte in ihrem erstjahrhundertlichen und theologischen Kontext liest, bewahrt die restaurative Sichtweise sowohl die Unmittelbarkeit von Jesu Warnungen als auch die Inklusivität von Paulus' Evangelium, ohne äußere eschatologische Systeme hinzuzufügen.
- Wie interpretiert jede der vier Ansichten den Ausdruck "ganz Israel wird gerettet werden" in Römer 11:25-27?
- Warum könnte die Wiederherstellungsansicht die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. als Erfüllung von Lukas 13:35 betonen?
- Welche Gefahren können entstehen, wenn biblische Prophezeiungen tausende von Jahren in die Zukunft projiziert werden, ohne ihren ursprünglichen Kontext zu berücksichtigen?
- ChatGPT (OpenAI)
- F.F. Bruce, Der Brief des Paulus an die Römer (Tyndale Neues Testament Kommentar).
- N.T. Wright, Paulus und die Treue Gottes.
- Everett Ferguson, Die Kirche Christi: Eine biblische Ekklesiologie für heute.

