Der erste Akt des Willens

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.
- 1 Mose 1:1
Die eröffnende Zeile der Schrift ist keine Hypothese, noch eine poetische Betrachtung. Sie ist eine Aussage göttlicher Tatsache. Der Rest von 1 Mose 1 entfaltet sich als Erklärung und Ausführung dieser Tatsache – nicht aus menschlicher Sicht, sondern aus Gottes Perspektive.
Göttliche Tatsache und menschliche Begrenzung
Der Mensch kann die Wahrheit wahrnehmen, dass die Schöpfung existiert; unsere Sinne bestätigen es, und unser Verstand bestätigt, dass etwas nicht aus dem Nichts entstehen kann. Doch 1 Mose 1:1 führt uns weiter als die menschliche Logik reichen kann. Es sagt uns, dass alles begann, weil Gott es so gewollt hat. Die Tatsache der Schöpfung kann durch den menschlichen Verstand erfasst werden, aber der Schöpfungsprozess kann nur durch den Glauben begriffen werden.
Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung. Die Wissenschaft kann untersuchen, wie Dinge innerhalb der Schöpfung miteinander wirken, aber sie kann nicht erklären, wie die Schöpfung selbst entstanden ist. Die menschliche Beobachtung beginnt an dem Punkt, an dem Gott bereits gehandelt hat. Allein der Glaube erkennt die erste Ursache – den göttlichen Willen, der das Universum ins Dasein gerufen hat.
Die Kraft des göttlichen Willens
"Im Anfang schuf Gott" ist nicht nur der Beginn einer Geschichte – es ist die Aufzeichnung der ersten Ausübung göttlichen Willens. Gott arbeitet nicht oder baut; Er will. Sein Gedanke und seine Absicht tragen schöpferische Kraft. In diesem Handeln sehen wir, dass Gottes Wille keine Reaktion auf etwas ist; er ist die Quelle von allem.
Der hebräische Begriff bara ("erschaffen") wird ausschließlich für göttliches Handeln verwendet. Er bezeichnet etwas Neues, das durch Gottes Befehl ins Dasein gerufen wird. Materie, Form und Leben sind keine Zufallsprodukte, sondern der Ausdruck Seines zielgerichteten Willens. Dies zeigt, dass die Schöpfung nicht nur Macht, sondern Absicht bedeutet – den Ausdruck göttlichen Zwecks durch göttlichen Willen.
Das gemeinsame Wirken der Dreieinigkeit
Schon in diesem ersten Vers wird die Fülle von Gottes Wesen angedeutet. Die Schrift offenbart, dass die Schöpfung kein einsamer Akt war, sondern eine trinitarische Harmonie.
- Der Vater will: Der Ursprung und Zweck der Schöpfung entspringen Seinem souveränen Willen.
- Der Sohn schafft: "Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist" (Johannes 1:3). Das Wort wirkt als der Vollstrecker des göttlichen Willens, die Stimme, durch die der Vorsatz des Vaters Wirklichkeit wird.
- Der Geist belebt: "Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser" (1 Mose 1:2). Das hebräische Wort ruach bedeutet Atem, Wind oder Geist – eine lebendige Kraft, die der Schöpfung Ordnung, Lebendigkeit und Zweck verleiht.
Von Anfang an erleben wir göttliche Zusammenarbeit – ein einziger Wille, der durch drei Personen zum Ausdruck kommt. Dieses gemeinsame Wirken wird zum goldenen Faden, der sich durch den Rest der Offenbarung zieht: Gott handelt in Einheit, um zu schaffen, zu erlösen und letztlich seine Schöpfung zu erneuern.
Der Anfang der göttlichen Geschichte
1 Mose 1:1 ist der erste Schimmer dieses goldenen Fadens. Hier tritt Gott aus der Ewigkeit in die Geschichte, vom unendlichen Sein in die greifbare Wirklichkeit. Was als ein Akt der Schöpfung beginnt, wird zur Geschichte göttlicher Begegnung – der Schöpfer, der sich mit dem Geschaffenen auseinandersetzt.
Der Wille, der Licht aus der Finsternis rief, wird später ein Volk aus der Knechtschaft rufen, einen Sohn aus dem Tod und eine neue Schöpfung aus der Verderbnis. Der erste Akt des Willens setzt jede nachfolgende Offenbarung von Gottes Wesen und Plan in Bewegung. Schöpfung, Bund, Kreuz und Vollendung gehen alle von derselben göttlichen Quelle aus: dem Willen Gottes, der in Liebe zum Ausdruck kommt.
Warum das wichtig ist
Die Erkenntnis der Schöpfung als Akt göttlichen Willens verändert unsere gesamte Weltanschauung. Wir sind keine zufälligen Produkte kosmischen Zufalls, sondern bewusste Ausdrücke göttlicher Absicht. Jedes Teilchen, jeder Herzschlag und jeder Moment menschlichen Daseins beruht auf Gottes fortwährender Entscheidung, dass die Welt sei.
Glaube ist also kein blinder Vertrauensakt, sondern klares Sehen – das Erkennen, dass hinter allem ein Wille steht, der persönlich, zielgerichtet und wohlwollend ist. Derselbe Gott, der die Schöpfung ins Dasein gerufen hat, will weiterhin die Erlösung für Seine Schöpfung durch Christus.
- Wie beeinflusst die Betrachtung der Schöpfung als einen Akt des göttlichen Willens statt als mechanischen Prozess dein Verständnis von Gottes Wesen?
- Was lehrt uns das gemeinsame Wirken der Dreieinigkeit in der Schöpfung über Einheit und Zweck innerhalb der Gottheit?
- Wie kann die Erkenntnis von Gottes fortwährendem Willen in der Schöpfung deine Sicht auf dein eigenes Dasein und deinen Zweck beeinflussen?
- ChatGPT-Gespräch mit Mike Mazzalongo, „Der erste Akt des Willens“, Dezember 2025.
- Johannes H. Walton, Die verlorene Welt von 1 Mose Eins: Alte Kosmologie und die Ursprungsdebatte (Downers Grove, IL: IVP Academic, 2009).
- Gordon J. Wenham, 1 Mose 1–15, Word Biblical Commentary, Bd. 1 (Dallas, TX: Word Books, 1987).
- C.S. Lewis, Das Problem

