Was wäre, wenn der barmherzige Samariter schwul wäre?

Von Zeit zu Zeit versuchen moderne Leser, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10:30-37) in zeitgenössischen Begriffen nachzuerzählen. Eine Version ersetzt den katholischen Priester, einen Wiederherstellungsprediger und schließlich einen homosexuellen Mann in der Rolle des Samariters. Die Andeutung ist, dass Christen heute Homosexualität als moralisch legitim akzeptieren sollten, weil Jesus einen verachteten Außenseiter zum Helden machte und "es nicht darauf ankommt, wen man liebt, solange Liebe da ist."
Auf den ersten Blick erscheint diese Nacherzählung überzeugend, doch sie missversteht die Absicht von Jesu Gleichnis. Der Gesetzeslehrer, der Jesus befragte, fragte: "Wer ist mein Nächster?" Die Antwort des Herrn sollte die Moral nicht neu definieren, sondern die Definition von "Nächster" über ethnische oder sektiererische Grenzen hinaus erweitern. Im Gleichnis stellten der Priester und der Levit angesehene religiöse Klassen dar, die es versäumten, Barmherzigkeit zu zeigen, während der Samariter – verachtet wegen seiner Ethnie und rivalisierenden Anbetung – tat, was Gott verlangte. Der Punkt war klar: Nächstenliebe bedeutet Mitgefühl ohne Vorurteil.
Aber die samaritische Ethnie mit homosexuellem Verhalten gleichzusetzen, ist ein Kategorienfehler. Die Samariter wurden wegen ihrer Herkunft in Bezug auf Israel verachtet, nicht wegen moralischer Praktiken, die Gottes Gesetz verletzten. Im Gegensatz dazu bezeichnet die Schrift homosexuelle Praktiken durchweg als Sünde (Römer 1:26-27; 1 Korinther 6:9-11). Jesus hat moralische Grenzen niemals aufgehoben, auch wenn er Liebe über menschliche Trennungen hinweg lehrte.
Gewiss können und zeigen homosexuelle Personen, wie alle Menschen, echte Akte der Güte. Christen sollten solche Handlungen mit Dankbarkeit anerkennen und mit Respekt darauf reagieren. Aber Güte von einem Sünder heiligt die Sünde nicht, ebenso wenig wie ein großzügiger Atheist den Unglauben rechtfertigt. Jesus selbst liebte die Samariter, korrigierte jedoch ihren falschen Gottesdienst (Johannes 4:22). Er zeigte Barmherzigkeit gegenüber Sündern und rief sie zur Umkehr auf (Lukas 5:32).
Wenn also der Samariter homosexuell gewesen wäre, bliebe die Lektion über Mitgefühl bestehen: Jeder kann Barmherzigkeit zeigen, und jeder ist unser Nächster. Aber das Gleichnis kann nicht so ausgelegt werden, dass es Sünde neu definiert oder Gottes moralische Ordnung aufhebt. Liebe bedeutet, den Bedürftigen zu helfen, während die Wahrheit alle Menschen – gleich welcher Herkunft – zur Heiligkeit Gottes ruft.
Der barmherzige Samariter lehrt uns, wen wir lieben sollen, nicht dass Sünde aufhört Sünde zu sein.
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- Craig Blomberg, Die Gleichnisse auslegen
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