Treue Frauen, abwesende Apostel

Als Lukas den Tod Jesu aufzeichnet, bemerkt er, dass "alle seine Bekannten und die Frauen, die ihm aus Galiläa gefolgt waren, in der Entfernung standen und diese Dinge sahen" (Lukas 23:49). Auf den ersten Blick scheint dies eine einfache Angabe darüber zu sein, wer bei der Kreuzigung anwesend war. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass Lukas einen größeren theologischen Punkt macht.
Das Wort, das mit "Bekannte" übersetzt wird, ist gnōstoi, was diejenigen bedeutet, die Jesus persönlich kannten. Dieser weiter gefasste Begriff bezieht sich nicht speziell auf die Apostel. Tatsächlich betonen die anderen Evangelien, dass die Apostel geflohen waren, als Jesus verhaftet wurde. Ihr Fehlen am Kreuz erfüllte seine eigene Vorhersage, dass sie zerstreut würden, wenn der Hirte geschlagen wird (Lukas 22:31-34; Markus 14:27). Ihr Versagen unter Druck dient als Erinnerung an die menschliche Schwäche und die Wahrheit, dass das Heil nicht auf der Stärke der Menschen beruht, sondern allein auf dem Gehorsam Christi.
Im Gegensatz dazu hebt Lukas die Frauenjüngerinnen aus Galiläa hervor. Es waren dieselben Frauen, die mit Jesus gereist waren und seinen Dienst unterstützten (Lukas 8:1-3). Während die Apostel abwesend waren, blieben die Frauen – nicht in Macht- oder Autoritätspositionen, sondern als treue Zeuginnen. Sie sahen seinen Tod, folgten seinem Leib zum Grab und waren die ersten, die seine Auferstehung entdeckten. Zu einer Zeit, in der die Gesellschaft das Zeugnis von Frauen ablehnte, wählte Gott sie aus, die ersten Verkünder des auferstandenen Herrn zu sein.
Dieser bewusste Gegensatz passt zu Lukas' fortlaufendem Thema: Gott erhöht oft die Demütigen und Übersehenen, um die Stolzen zu beschämen. Die Apostel würden später wiederhergestellt und beauftragt werden, aber die standhafte Hingabe der Frauen in der dunkelsten Stunde zeigt, dass wahre Jüngerschaft nicht durch Amt oder Titel gemessen wird, sondern durch Glauben und Mut.
Lukas' einfache Beobachtung trägt eine scharfe Spitze: Die Führer fehlten, aber die Geringsten waren treu. Dabei zeigte Gott bereits, dass das Evangelium durch Seine Kraft voranschreiten würde, nicht durch menschlichen Rang.
- Warum verwendet Lukas den weiter gefassten Begriff „Bekannte“ anstelle der spezifischen Nennung der Apostel?
- Welche Lehren können wir aus der Treue der Frauen am Kreuz im Gegensatz zum Fehlen der Apostel ziehen?
- Wie zeigt dieser Abschnitt Gottes Neigung, die Demütigen und Übersehenen in seinem Reichswerk zu gebrauchen?
- ChatGPT (OpenAI)
- Darrell L. Bock, Lukas: Der NIV-Anwendungskommentar, Zondervan, 1996.
- I. Howard Marshall, Das Evangelium nach Lukas: Ein Kommentar zum griechischen Text, Eerdmans, 1978.
- William Hendriksen, Auslegung des Evangeliums nach Lukas, Baker Book House, 1978.

