Der Dieb am Kreuz und Jesu Verheißung

Als der Dieb, der neben Jesus gekreuzigt wurde, rief: "Jesus, gedenke meiner, wenn Du in Deinem Reich kommst!" (Lukas 23:42), hat die Antwort des Herrn Jahrhunderte von Lehre und Debatte ausgelöst: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lukas 23:43). Dieser einzelne Satz wurde herangezogen, um Fragen zu Erlösung, Taufe, dem Leben nach dem Tod und dem Zwischenzustand der Toten zu beantworten. Doch zeigt ein Großteil der Diskussion mehr Spekulation als solide Exegese.
1. Die Frage der Taufe und Buße
Einige argumentieren, dass, da dem Dieb ewiges Leben ohne Taufe versprochen wurde, die Taufe nicht notwendig sein müsse. Diese Schlussfolgerung übersieht jedoch zwei wichtige Punkte:
Bund vor dem Kreuz
Der Dieb lebte und starb unter dem alten Bund. Die christliche Taufe zur Vergebung der Sünden (Apostelgeschichte 2:38) wurde erst an Pfingsten eingeführt, nach Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung. Die Situation des Diebes für Gläubige nach der Auferstehung als normativ anzusehen, bedeutet, die Bünde zu verwechseln.
Glaube und Buße offenbar
Der Dieb zeigte Buße, indem er den anderen Verbrecher zurechtwies und seine Schuld bekannte (Lukas 23:40-41). Er bekundete Glauben, indem er sich an die Königsherrschaft Jesu wandte, selbst während Christus am Kreuz starb. Seine Rettung wurde auf derselben Grundlage gewährt wie die Abrahams – Glaube, der als Gerechtigkeit angerechnet wird (Römer 4:3).
So hebt der Fall des Diebes nicht Jesu Gebot auf, zu glauben und getauft zu werden (Markus 16:16).
2. Das Paradies als Zwischenzustand
Jesus sagte: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein." Einige schließen daraus, dass "Paradies" einen vorübergehenden Aufenthaltsort bezeichnet, an dem die Seelen der Gerechten bis zum Gericht verweilen. Andere setzen das Paradies mit dem Himmel selbst gleich.
Biblisch wird der Begriff "Paradies" dreimal verwendet: hier in Lukas 23:43, in 2 Korinther 12:4 (Paulus' Vision des Paradieses als Gottes Wohnung) und in Offenbarung 2:7 (der Baum des Lebens im Paradies Gottes). Im jüdischen Denken bezeichnete "Paradies" oft den gesegneten Teil des Scheol, der vom Ort der Qual unterschieden wird (vgl. Lukas 16:22-23).
Doch das Versprechen Jesu "bei mir" ist entscheidend. Wo auch immer das Paradies ist, seine Bedeutung liegt in der Gegenwart Christi. Ob ein Wartesaal oder der Himmel selbst, das Vertrauen des Gläubigen ruht nicht auf der Geographie des Jenseits, sondern auf der Gemeinschaft mit dem Herrn (Philipper 1:23).
3. Bewusstes Dasein nach dem Tod
Manche verwenden diesen Vers, um zu argumentieren, dass Seelen unmittelbar nach dem Tod bewusst bleiben. Jesus versichert dem Dieb, dass sie "heute" zusammen sein werden, was auf Bewusstsein über den Tod hinaus hindeutet. Dies stimmt mit Paulus' Wunsch überein, "abzusterben und bei Christus zu sein" (Philipper 1:23).
Andere vertreten die Lehre vom "Seelenschlaf", wonach die Toten bis zur Auferstehung bewusstlos sind. Sie könnten argumentieren, dass "heute" Jesu Aussage modifizieren könnte ("Wahrlich, ich sage dir heute, du wirst bei mir sein...") und nicht den Zeitpunkt der Verheißung. Obwohl grammatikalisch möglich, spricht der Textzusammenhang für das traditionelle Verständnis: ein gegenwärtiger Trost, dass der Tod nicht in Trennung enden, sondern an jenem Tag Gemeinschaft mit Christus bedeuten würde.
4. Gewissheit des Heils allein in Christus
Vor allem ist Lukas 23:43 keine Schlupfloch in Gottes Plan, sondern ein Zeugnis für Jesu Vollmacht zu retten. Der Dieb hatte nichts anzubieten – keine Werke, kein Ritual, kein zukünftiger Dienst. Doch durch den Glauben empfing er Barmherzigkeit. Dies weist auf die Wahrheit des Evangeliums hin: Die Rettung geschieht aus Gnade durch den Glauben, nicht durch menschliches Verdienst (Epheser 2:8-9).
Für uns entschuldigt das Beispiel des Diebes nicht das Vernachlässigen von Jesu Geboten, sondern vergrößert Seine Macht zu vergeben. Gläubige heute antworten durch Glauben, Buße und Taufe und treten in dieselbe Gnade ein, die der Dieb am Kreuz geschmeckt hat (Apg 2:37-38).
Fazit
Der Dieb am Kreuz erinnert uns an zwei wichtige Wahrheiten:
- Gottes Gnade ist ausreichend, um selbst in der letzten Stunde zu retten
- Die normative Antwort auf diese Gnade wird in der Evangeliumsverkündigung nach dem Kreuz offenbart.
Das Paradies ist weniger ein Ort, der kartiert werden kann, als vielmehr das Versprechen, bei Christus zu sein. Jesu Worte versichern uns, dass wo immer Er ist, Leben ist, Paradies ist und Hoffnung für alle, die auf Ihn vertrauen.
- Was lehrt uns das Beispiel des Diebes über Glauben und Buße, selbst am Ende des Lebens?
- Wie hilft die Unterscheidung zwischen dem Alten Bund und dem Neuen Bund zu erklären, warum der Fall des Diebes die Taufe heute nicht negiert?
- Welchen Trost bietet Jesu Verheißung, „bei mir im Paradies“ zu sein, für Gläubige, die dem Tod gegenüberstehen?
- ChatGPT (OpenAI)
- Matthäus Henry, Kommentar zur ganzen Bibel
- Guy N. Woods, Fragen und Antworten, Bd. 2
- Jack Cottrell, Taufe: Eine biblische Studie

