Böse Geister

Im einleitenden Kapitel des Evangeliums nach Markus begegnet Jesus sofort einer oft übersehenen Dimension menschlichen Leidens: der Dämonenbesessenheit. Der Text beschreibt deutlich Personen, die unter der Kontrolle von "unreinen Geistern" standen, Geister, die Jesus erkannten, seine Autorität fürchteten und seinen Geboten gehorchten. Diese Begegnungen werfen wichtige Fragen für heutige Leser auf. Waren diese Geister real oder symbolisch für geistige Krankheit und soziale Unordnung? Und wenn sie real waren, was lehrt die Schrift heute über dämonische Besessenheit?
Markus berichtet von einem der frühesten Wunder Jesu in der Synagoge zu Kapernaum:
23Und es war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist, der schrie
24und sprach: Lass ab! Was haben wir mit dir zu tun, Jesus, du Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
25Aber Jesus befahl ihm und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!
26Da zerrte ihn der unreine Geist hin und her, schrie mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus.
- Markus 1:23-26
Die Sprache ist eindeutig. Jesus spricht direkt zum Geist, nicht nur zum leidenden Menschen. Der Geist selbst erkennt die Identität Christi und fürchtet seine Macht. Dies ist keine psychologische Episode, sondern eine geistliche Auseinandersetzung. Später macht Markus eine Unterscheidung zwischen denen, die "krank" waren, und denen, die "dämonisch besessen" waren (Markus 1:32-34), was zeigt, dass die biblischen Autoren Krankheit und Besessenheit als zwei verschiedene Zustände verstanden.
Andere Evangelienberichte bestätigen dieses Verständnis. Dämonen sprachen (Lukas 8:28), leisteten Widerstand gegen den Auswurf (Markus 5:7-10), verursachten körperliche Wirkungen wie Sprachlosigkeit und Krämpfe (Markus 9:17-27) und brachten Menschen sogar dazu, mit übermenschlicher Kraft zu handeln (Lukas 8:29). Die Schrift behandelt sie durchgehend als persönliche geistliche Wesen, die Personen bewohnen und quälen, bis sie durch göttliche Autorität vertrieben werden.
Die nächste Frage betrifft die Gegenwart. Während sich fast alle einig sind, dass Dämonenbesessenheit zur Zeit Jesu real war, gibt es eine Debatte darüber, ob das Phänomen weiterhin besteht. Es gibt zwei Hauptpositionen.
Die restriktive oder cessationistische Sicht hält daran fest, dass Dämonenbesessenheit einzigartig im Dienst Jesu und seiner Apostel war und als sichtbarer Beweis für den Kampf zwischen dem Reich Gottes und dem Reich Satans diente. Mehrere Argumente stützen dies: Schweigen in den Briefen (Epheser 6:10-18; Jakobus 4:7); Einzigartige apostolische Autorität (Lukas 9:1; Apostelgeschichte 16:16-18); und Sieg am Kreuz (Kolosser 2:15). Diese Sicht schließt daraus, dass Satan weiterhin versucht, täuscht und beeinflusst, aber eine tatsächliche innere Besessenheit nicht mehr auf dieselbe Weise stattfindet.
Die Kontinuationistische Sicht hält daran fest, dass Dämonenbesessenheit weiterhin besteht, wenn auch vielleicht in manchen Kulturen weniger offen. Zu ihren Argumenten gehören: Kein biblisches Ende, anhaltender geistlicher Kampf (1 Petrus 5:8; Epheser 6:12), und weltweite Zeugnisse von Missionaren, die lebhafte Fälle von Besessenheit und Befreiung berichten. Diese Position bekräftigt, dass Besessenheit heute selten oder kulturell getarnt sein mag, aber nicht unmöglich ist.
Beide Ansichten erkennen die historische Realität von Besessenheit zur Zeit Jesu an. Die Meinungsverschiedenheit dreht sich darum, ob solche Fälle weiterhin bestehen. Die cessationistische Sicht gewinnt an Stärke durch die Verschiebung des Schwerpunkts im Neuen Testament: Die Evangelien heben Auseinandersetzungen mit Dämonen hervor, die Apostelgeschichte berichtet gelegentlich davon, aber die Briefe konzentrieren sich stattdessen auf das Widerstehen der Versuchung, das Wandeln im Geist und das Anlegen der Waffenrüstung Gottes. Diese Entwicklung legt nahe, dass nach Christi Sieg das Hauptkampffeld nicht mehr die körperliche Besessenheit, sondern die geistliche Täuschung ist.
Gleichzeitig erinnert uns die kontinuationistische Position daran, dass das Neue Testament die Tür zur Besessenheit niemals ausdrücklich verschließt. Berichte über dämonische Aktivitäten vom Missionsfeld können nicht leichtfertig abgetan werden, auch wenn sie anekdotisch bleiben.
Die einfache Bedeutung von Markus 1 lehrt, dass böse Geister reale, persönliche Wesen sind, die während des Dienstes Jesu Menschen besessen haben. Die Macht des Herrn über sie zeigte Seine göttliche Autorität und kündigte Seinen endgültigen Sieg am Kreuz an. Heute, während die Schrift betont, Satan zu widerstehen statt Dämonen auszutreiben, sollten Christen sich der fortwährenden Realität des geistlichen Kampfes bewusst bleiben.
Ob Besessenheit in ihrer biblischen Form weiterhin besteht oder nicht, die zentrale Botschaft bleibt unverändert: der Sieg gehört Christus. Gläubige sind sicher, nicht weil sie Geister aus eigener Kraft austreiben können, sondern weil sie dem angehören, den die Dämonen selbst als "den Heiligen Gottes" bekannt haben.
- Wie unterscheidet Markus in seinem Evangelium zwischen Dämonenbesessenheit und körperlicher Krankheit?
- Welche Unterschiede sehen Sie zwischen der Art und Weise, wie Dämonen in den Evangelien im Vergleich zu den Briefen behandelt werden?
- Welche Ansicht finden Sie überzeugender – cessationistisch oder continuationistisch – und warum?
- ChatGPT (OpenAI)
- Craig S. Keener, Wunder: Die Glaubwürdigkeit der neutestamentlichen Berichte (Baker Academic, 2011)
- Clinton E. Arnold, 3 entscheidende Fragen zum geistlichen Kampf (Baker, 1997)
- F.F. Bruce, Die neutestamentlichen Dokumente: Sind sie zuverlässig? (Eerdmans, 1981)

