Jesus beschreibt die Zerstörung Jerusalems

In Matthäus 24:34 sagt Jesus: "Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht." Diese Aussage hat unter Gelehrten und Gläubigen intensive Debatten ausgelöst. Meinte Jesus, dass die Generation, an die Er sich wandte, die Erfüllung Seiner Vorhersagen erleben würde? Und wenn ja, wurden diese Vorhersagen bei der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. erfüllt?
I. Die Auslegung von "Diese Generation"
Der griechische Ausdruck, der mit "diese Generation" (hē genea hautē) übersetzt wird, bezieht sich konsequent auf die Menschen, die zur Zeit Jesu lebten, als Er sprach. Er wird auf diese Weise durchgehend in den Evangelien verwendet (z. B. Matthäus 11:16; Matthäus 12:39; Matthäus 23:36). Es gibt keine überzeugende textliche Grundlage, ihn als Bezug auf eine zukünftige oder symbolische Generation zu deuten. Daher ist die einfachste Lesart, dass Jesus vorhersagte, dass die in den Versen 4-33 beschriebenen Ereignisse während der Lebenszeit Seiner Zeitgenossen stattfinden würden.
II. Kontext von Matthäus 24
Die Jünger fragten Jesus eine mehrteilige Frage: "Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen Deiner Wiederkunft und des Endes des Zeitalters sein?" (Matthäus 24:3). Jesu Antwort, besonders in den Versen 4-35, bezieht sich hauptsächlich auf die bevorstehende Zerstörung Jerusalems und des Tempels, Ereignisse, die eng mit den jüdischen Erwartungen an die Endzeit verbunden waren.
III. Prophetische Sprache und Erfüllung
Ein Großteil der Sprache in Matthäus 24:29-31 – wie "die Sonne wird verfinstert werden" und "der Sohn des Menschen auf den Wolken kommen" – spiegelt alttestamentliche prophetische Bildsprache wider. Dies sind Symbole göttlichen Gerichts, nicht notwendigerweise buchstäbliche kosmische Ereignisse. Ähnliche Sprache erscheint in Jesaja 13 und 19, die Urteile über Babylon bzw. Ägypten beschreiben. In diesem Zusammenhang weisen die Worte Jesu auf Gottes Gericht über Jerusalem durch die römischen Heere hin.
IV. Erfüllte Prophezeiungen und historische Ereignisse
Die folgende Tabelle listet die wichtigsten Prophezeiungen auf, die Jesus in Matthäus 24:4-34 gemacht hat, sowie die entsprechenden Ereignisse, die zur Zerstörung Jerusalems führten:
| Prophezeiungen von Jesus (Matthäus 24:4–34) | Historische Erfüllung (n. Chr. 30–70) |
|---|---|
| Falsche Christe werden auftreten (V.5) | Mehrere messianische Anspruchsteller traten auf (Josephus, Jüdischer Krieg 6:285–288) |
| Kriege und Kriegsgerüchte (V.6) | Jüdisch-römische Spannungen und schließlich Krieg in den Jahren 66–70 n. Chr. |
| Volk wird sich gegen Volk erheben (V.7) | Aufstände und römische Niederschlagungen in den Provinzen |
| Hungersnöte und Erdbeben (V.7) | Hungersnot in Jerusalem (Josephus, Jüdischer Krieg 5:10); dokumentierte Erdbeben |
| Verfolgung der Jünger (V.9) | Apostelgeschichte und römische Geschichte belegen Christenverfolgung |
| Viele fallen ab, Verrat (V.10) | Abfall wird in den NT-Briefen erwähnt (2 Timotheus 1:15) |
| Falsche Propheten treten auf (V.11) | Falsche Propheten während der Belagerung (Josephus 6:285–288) |
| Gesetzlosigkeit nimmt zu (V.12) | moralischer Verfall im belagerten Jerusalem (Josephus 4:6) |
| Evangelium wird in der ganzen Welt verkündigt (V.14) | Paulus schreibt, dass es die Welt erreicht hatte (Kolosser 1:6, 23) |
| Gräuel der Verwüstung (V.15) | Römische Standarten im Tempelbereich (Josephus 6:316) |
| Flieht auf die Berge (V.16) | Christen flohen nach Pella (Eusebius, Kirchengeschichte 3:5) |
| Große Trübsal (V.21) | Beispielloses Leiden in Jerusalem (Josephus 6:9) |
| Verkürzte Tage (V.22) | Unerwartete Verkürzung der Belagerung durch römischen Rückzug und Rückkehr |
| Himmlische Zeichen, Erschütterung der Mächte (V.29) | Prophetische Bildsprache des Gerichts, nicht wörtlich |
| Der Menschensohn auf den Wolken (V.30) | Gerichtssprache – Römer als göttliche Werkzeuge (vgl. Jesaja 19:1) |
V. Schlussfolgerung
Matthäus 24:34 ist am besten als Bezug auf die Generation zu verstehen, die während des Wirkens Jesu lebte. Die von Ihm vorhergesagten Ereignisse wurden in den Jahren erfüllt, die zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. führten und in ihr gipfelten. Diese Sicht bewahrt die Integrität der Worte Jesu und stimmt sowohl mit dem historischen Bericht als auch mit dem prophetischen Stil der Schrift überein. Obwohl die Passage dramatische Sprache enthält, ist sie konsistent mit der Art und Weise, wie das Alte Testament das göttliche Gericht über Nationen beschreibt.
- Wie beeinflusst die Auslegung von „dieser Generation“ unser Verständnis der biblischen Prophetie?
- Welche Rolle spielt die Bildsprache des Alten Testaments beim Verständnis von Matthäus 24?
- Warum ist es wichtig, biblische Prophetie mit historischen Ereignissen zu vergleichen, wenn man die Schrift auslegt?
- ChatGPT (OpenAI)
- Josephus, Der Jüdische Krieg (Bücher 4–6)
- Eusebius, Kirchengeschichte (Buch 3)
- N.T. Wright, Jesus und der Sieg Gottes

