Der Finger Gottes im Sand

Als Johannes berichtet, dass Jesus sich während des Prozesses der Ehebrecherin niederbeugte und auf den Boden schrieb, beschreibt er etwas Einzigartiges. Nirgendwo sonst in den Evangelien sehen wir, dass Jesus schreibt. Die Handlung ist kurz, unerklärt, aber tief bedeutungsvoll.
Gott schrieb das Gesetz
Im Alten Testament lesen wir, dass Gott selbst die Zehn Gebote mit seinem eigenen Finger auf Steintafeln schrieb (2. Mose 31:18; 5. Mose 9:10). Das war das einzige Mal, dass Gott physisch etwas schrieb. Seine Schrift war dauerhaft, in Stein gemeißelt, und erklärte seinen heiligen Maßstab der Gerechtigkeit und seinen Bund mit Israel.
Jesus schrieb in den Staub
Jahrhunderte später, in Johannes 8, bückte sich Jesus ebenfalls, um zu schreiben – nicht auf Stein, sondern in den Staub des Tempelhofes. Hier wurde das ewige Wort, das das Gesetz gab, mit dem Missbrauch des Gesetzes konfrontiert. Die Pharisäer brachten eine schuldig befundene Frau als Köder, in der Hoffnung, ihn zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zu fangen. Indem Jesus auf den Boden schrieb, erklärte er still seine Autorität als der wahre Gesetzgeber. Er ließ sich nicht von ihrem Verweis auf Mose einschüchtern, denn er war derjenige, der Mose das Gesetz gab.
Gesetz und Barmherzigkeit vereint
Aber Jesus tat mehr, als nur Autorität zu beanspruchen. Er wandte das Gesetz mit Gnade an. Das Gesetz forderte Gericht, aber das Herz Gottes sehnte sich nach Barmherzigkeit. Jesus lenkte meisterhaft den Blick der Menge von der Sünde der Frau auf ihre eigene. Als Er sagte: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie" (Johannes 8:7), erinnerte Er sie daran, dass das Gesetz alle überführt. Ihre einzige Reaktion war, einer nach dem anderen wegzugehen.
Schließlich wandte sich Jesus der Frau zu: "Ich verurteile dich auch nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr" (Johannes 8:11). Er leugnete ihre Schuld nicht; vielmehr zeigte Er die größere Wahrheit, dass Barmherzigkeit aus derselben Hand fließt, die das Gesetz schrieb.
Die Lektion für uns
Der Finger Gottes schrieb einst Gerechtigkeit auf Stein, und erneut schrieb er in Staub. Das eine war dauerhaft, das andere vorübergehend. Das erste forderte Gerechtigkeit, das zweite bot Barmherzigkeit. Beides kam vom selben Gott. Wir lernen, dass Jesus allein die Autorität hat, sowohl das Gesetz zu bewahren als auch den Sünder zu vergeben.
- Warum denkst du, erwähnt Johannes, dass Jesus auf den Boden schrieb, aber sagt uns nicht, was Er schrieb?
- Wie veranschaulicht diese Szene das Gleichgewicht von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in Gottes Umgang mit uns?
- Welche Lehren können wir aus dem Weggehen der Menge im Vergleich zur Gelegenheit der Frau für ein neues Leben ziehen?
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