Ein letzter Schluck Wein

Am Ende seines Leidens am Kreuz bat Jesus um einen Trank und erhielt sauren Wein von einem Schwamm, der an einem Ysopzweig erhoben wurde. Auf den ersten Blick mag diese Einzelheit im Johannesevangelium geringfügig erscheinen – eine beiläufige Notiz, die nur eine Augenzeugen-Erinnerung markieren soll. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass dieser "letzte Schluck Wein" eine tiefe Bedeutung für unser Verständnis von Christi Werk und Person trägt.
1. Erfüllung der Schrift
Johannes ist klar: Jesus sagte: "Ich habe Durst", damit "die Schrift erfüllt werde" (Johannes 19:28). Der Vers, der am besten zu diesem Moment passt, ist Psalm 69:21: "Denn meinen Durst stillten sie mit Essig." Indem Johannes dieses Ereignis einschließt, zeigt er, dass Jesus selbst in den kleinsten Details seines Leidens das Muster des gerechten Leidenden verkörpert, das im Alten Testament vorausgebildet ist.
2. Die Menschlichkeit Jesu
Indem Er Durst ausdrückt, zeigt Jesus Seine volle Menschlichkeit. Sein war kein Phantomkörper, noch war Sein Leiden eine Illusion. Er fühlte die Hitze, den Blutverlust und das Austrocknen Seines Mundes. Das Johannesevangelium hebt diese Körperlichkeit hervor, weil frühe Gegner des Christentums leugneten, dass der Sohn Gottes wirklich im Fleisch gekommen ist. Der saure Wein erinnert uns daran, dass unser Heil durch denjenigen gesichert wurde, der die menschliche Schwäche bis zum bitteren Ende getragen hat.
3. Vorbereitung auf Sein Letztes Wort
Jesus lehnte den narkotisierenden Wein ab, der ihm zu Beginn seiner Kreuzigung angeboten wurde (Matthäus 27:34), und entschied sich stattdessen, das Leiden mit klarem Verstand zu ertragen. Aber hier, am Ende, nimmt er den Trank eines gewöhnlichen Soldaten an, nicht um den Schmerz zu betäuben, sondern um seinen Mund zu befeuchten, damit er mit Kraft ausrufen konnte: "Es ist vollbracht!" Diese laute, klare Erklärung – gehört und erinnert – war der triumphale Abschluss seines Werkes.
4. Ein Symbol der Demütigen Gemeinschaft
Könige tranken edlen Wein, aber Jesus empfing den sauren Wein gewöhnlicher Soldaten und der Armen. Dieser letzte Geschmack menschlicher Bitterkeit zeigt, in welchem Maße Er sich mit uns identifizierte. Er starb nicht nur als der König der Herrlichkeit, sondern auch als der Sohn des Menschen, der die Niedrigkeit unseres Zustandes annahm, alles, um uns zu erheben, damit wir an Seinem Sieg teilhaben.
Der "letzte Schluck Wein" ist daher mehr als eine beiläufige Bemerkung. Es ist die Erfüllung der Schrift, die Umarmung der Menschheit, die Vollendung der Mission und der Ausdruck von Gemeinschaft. Selbst dieses Detail weist auf die sorgfältige und bewusste Weise hin, wie Jesus Sein Leiden zu seinem bestimmten Ende brachte und mit Kraft ausrief, damit alle hören: "Es ist vollbracht."
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- ChatGPT (Eingabe & Antwort, 24.09.2025).
- Carson, D.A., Das Evangelium nach Johannes.
- Brown, Raymond E., Der Tod des Messias.
- Barclay, William, Das Evangelium nach Johannes.

